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Grünschnitt als Ressource: Jüchen plant energieautarken Bauhof

In Jüchen umfasst der Tagebau Garzweiler rund die Hälfte des Stadtgebiets. Im Zuge der Rekultivierung von Flächen am Tagebau wird sich das ändern. Mehr Flächen, das bedeutet mehr Grünschnitt. Und diesen will die Stadt sinnvoll nutzen.

„Unser Stadtgebiet wächst in den nächsten Jahrzehnten wieder in den Tagebau hinein“, beschreibt Jan Martin von der Heide, Sachgebietsleiter Strukturwandel, die bevorstehenden Veränderungen. Zurückgewonnene Flächen werden hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt, ein neuer Stadtteil (Jüchen-Süd) ist geplant und Teile der Fläche werden zu Biotopen, auf denen sich die Natur frei entfalten kann. „Mit dem Uferbereich des zukünftigen Tagebau-Sees oder an Wegesrändern werden aber auch Flächen entstehen, die durch die Mitarbeitenden des Bauhofs gepflegt werden müssen“, so von der Heide. Dabei fällt Grünschnitt an, den der Bauhof als Biomasse zum Heizen nutzen könnte.

Innovativer Neubau geplant

Dies ist nur eine von vielen Ideen der Stadt für einen nachhaltigeren Bauhof. Den aktuellen, ohnehin sanierungsbedürftigen Gebäuden fehlt es aber an Erweiterungsmöglichkeiten. Die Liegenschaften sind in die Jahre gekommen, ihre Aufteilung auf drei Standorte verteilt nicht effizient.

Deshalb muss ein neuer, zentraler und zukunftsfähiger Bauhof her. So autark und nachhaltig wie möglich soll er werden. Am Rand des Gewerbegebiets Robert-Bosch-Straße entsteht dafür ein Neubau. Ein Projektsteuerer für die Umsetzung des Projekts ist bereits gefunden, zahlreiche Studien flankieren den Prozess. Aktuell sucht die Stadt per Ausschreibungsverfahren noch ein Architekturbüro. Wenn alles nach Plan läuft, soll der Bauhof Anfang 2029, vielleicht sogar schon Ende 2028 in den Probebetrieb gehen. „Wie er am Ende genau aussehen wird, das wissen wir alle aber noch nicht. Das wird spannend“, freut sich von der Heide.

Nachhaltigkeit als Gesamtkonzept

Ideen gibt es zu genüge. Eine eigene Biogas-Anlage soll für eine komplett unabhängige Wärmeversorgung des Bauhofs sorgen und langfristig Kosten sparen. „Futter“ für die Heizung könnte beispielsweise ein Grünstreifen zwischen Autobahn und Eisenbahn liefern. Dort könnten größere Mengen an sogenanntem Chinaschilf (Miscanthus) angepflanzt werden, der sich gut fürs „Verheizen“ eignet und dessen Brennwert dem von Holz ähnelt. Vor allem soll aber Grünschnitt verarbeitet werden, der bei der Pflege von Grünflächen ohnehin anfällt. „Im Vergleich zu Windkraft oder Photovoltaik hat Biomasse den Vorteil, dass wir mit ihrer Hilfe die sogenannten Dunkelflauten überbrücken können“, erklärt von der Heide. Denn Biomasse ist auch dann verfügbar, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint. „Die Biomasse ist deshalb einer von vielen Ansätzen für das nachhaltige Gesamtkonzept.“

Eine weitere Idee sind Photovoltaik-Anlagen auf den Dachflächen des geplanten Bauhofs, die den Strom für kommunaleigene E-Fahrzeuge liefern könnte. Für ein ökologisches Wassermanagement könnte Regenwasser aufgefangen und genutzt werden. Der Neubau selbst wird aus nachhaltigen Baumaterialien entstehen. Begrünte Fassaden sollen Schadstoffe binden und das Gebäude anpassungsfähig für verschiedenste klimatische Bedingungen machen. „Wir werden beispielsweise auch Themen wie Geothermie oder Mini-Windkraftwerke abklopfen“, so von der Heide. „Wir wollen uns nicht zu früh festlegen, damit die Planenden möglichst viel Freiraum haben, um innovativ zu arbeiten. Der Prozess befindet sich im Fluss.“

Neue Arbeits- und Ausbildungsplätze

Derzeit sind rund 35 Menschen beim Bauhof beschäftigt. Durch die zusätzlichen Flächen der Stadt, aber auch durch die innovativen und nachhaltigen Technologien in dem Neubau, wird diese Zahl der Mitarbeitenden laut von der Heide ansteigen. Denn die Anlagen müssen nicht nur installiert, sondern auch gewartet werden. Um ausreichend Fachkräfte dafür auszubilden, soll ein modernes Ausbildungszentrum im Bauhof integriert werden, im Fokus: die Berufe des Baubetriebshofs.

Unterstützung aus der Politik

Der Energieautarke Bauhof ist ein ambitioniertes Projekt für eine Stadt mit rund 24.000 Einwohnern. Aber der Mehrwert des neuen Bauhofs ist klar definiert. Er soll „zumindest so viel Energie erzeugen, wie er selbst verbraucht“, erklärt Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens.

Bund und Land unterstützen die Stadt mit einer Förderung in Höhe von 2,67 Millionen Euro, um den Erwerb und die Erschließung des 13.000 Quadratmeter großen Grundstücks sowie die Konzeption und Umsetzung des Baus zu stemmen.

NRW-Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur sieht das Projekt als Vorbild für andere: „Die Pläne für den modernen, klimafreundlichen Bauhof zeigen, dass auch kleinere Städte und Gemeinden im ländlichen Raum ehrgeizige Klimaschutzprojekte auf den Weg bringen können.“

Modellprojekt für den Gigawattpakt

Der Gigawattpakt verfolgt das Ziel, die Stromerzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energien bis 2028 auf fünf Gigawatt auszubauen. Dieses im Jahr 2022 gegründete Bündnis – finanziell und beratend unterstützt durch die NRW-Landesregierung – vereint rund 50 Landkreise, Kommunen und Unternehmen, die gemeinsam an der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende arbeiten. Der Energieautarke Bauhof Jüchen ist dabei ein Modellprojekt, dessen Ansätze sich weitere Kommunen zum Vorbild nehmen könnten. Er vereint verschiedene Formen von erneuerbaren Energien in einem innovativen Gesamtkonzept und leistet damit einen wichtigen Beitrag, um die Ziele zur Senkung der CO2-Emissionen zu erreichen.

 

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Foto: ©adobe stock

Nicole Kolster
Projektmanagerin Energie
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