teaser-bildFoto: ENERGETICON gGmbH

04.04.2019

Nutzung der Erdwärme aus gefluteten Steinkohlebergwerken

Am 4. April fand im ENERGETICON in Alsdorf eine Fachtagung zum Thema "Gewinnung von Erdwärme aus gefluteten Steinkohlenbergwerken am Beispiel des Eduard-Schachtes in Alsdorf" statt. Ausgerichtet wurde die Tagung, an der 100 Energiefachleute teilnahmen, vom ENERGETICON, der StädteRegion Aachen, der EnergieAgentur.NRW und der Zukunftsagentur Rheinisches Revier.

Das Aachener Steinkohlerevier erstreckt sich über eine Fläche von 250 km² nördlich von Aachen. 1992 wurde der Bergbau endgültig stillgelegt und die vorhandenen tiefen Bergbauschächte dauerstandsicher verfüllt. Seit 1993 findet ein kontinuierlicher Anstieg des Grubenwassers statt. Dieses weist Temperaturen von 22 bis 26 °C auf. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde gezeigt, dass das Grubenwasser für die Beheizung des Energiemuseums ENERGETICON auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Grube Anna genutzt werden kann. Im Rahmen eines Pilotprojektes wurde die Schachtfüllsäule durchbohrt und eine 860 m lange Doppel-U-Sonde erstmals frei hängend in einem mit Grubenwasser erfüllten Bergbauschacht eingebaut. Die Erdwärmesonde wurde über eine Hochtemperaturwärmepumpe in das Heizungssystem integriert. In einem mehrmonatigen Probebetrieb seit November 2018 konnte die Erdwärmesonde über 70 % des Wärmebedarfs der Gebäude des ENERGETICON decken.

Bei der gestrigen Abschlusskonferenz „Gewinnung von Erdwärme aus gefluteten Steinkohlenbergwerken am Beispiel des Eduard-Schachtes in Alsdorf“ sagte Christoph Dammermann, Staatssekretär im NRW-Wirtschafts- und Digitalministerium, vor rund 100 Energiefachleuten: „Das erfolgreiche Grubenwasserprojekt am ENERGETICON zeigt, wie wir Bergbau-Infrastrukturen für eine nachhaltige Wärmeversorgung sinnvoll nutzen können. Diese Form der Energiegewinnung hat großes Potenzial. Eine neue Studie unseres Hauses belegt, dass  wir an vielen Orten in Nordrhein-Westfalen bestehende Bergbauschächte für eine verlässliche und CO2-arme Wärmeversorgung nutzen können.“ Für die Zukunft der Region spiele auch die Zukunftsagentur Rheinisches Revier eine bedeutende Rolle: „Sie ist der zentrale Akteur für das Gelingen des Strukturwandels. In enger Abstimmung mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft sorgt die Zukunftsagentur dafür, dass Strukturbrüche durch innovative Projekte vermieden und die Potenziale der Region genutzt werden“, sagte Dammermann.

Leonhard Thien, Themengebietsleiter Geothermie bei der EnergieAgentur.NRW, ergänzte: „Nicht nur das Ruhrgebiet, auch die Aachener Region ist geprägt von jahrhundertelangen Bergbautätigkeiten. Nachdem im November 2018 die Studie „Warmes Grubenwasser im Ruhrgebiet“ veröffentlicht wurde, ist die Umsetzung des Projektes hier in Alsdorf ein weiterer Leuchtturm für die Nachnutzung des Bergbaus. Außerordentliches Engagement der Partner und des Betreibers haben die Nutzung der wertvollen Ressource Grubenwasser ermöglicht. Das warme Grubenwasser bietet vor allem lokal interessante Möglichkeiten, erhebliche Mengen an Treibhausgasen im Wärmebereich einzusparen.“

Thomas König, Geschäftsführer des ENERGETICONS, führte zur zukünftigen Umsetzung des Projektes aus: „Nach Abschluss des Probebetriebs wird das vom Land NRW geförderte Pilotprojekt GrEEn auch in das Energie-Erlebniskonzept des ENERGETICON eingebettet. Ziel der Inszenierung und Visualisierung ist es, interessierten Besuchern in plakativer Art und Weise das Projekt und die Technik der Grubenwassergeothermie verständlich zu vermitteln.“ König weiter: „Das ENERGETICON ist eine mit Designpreisen ausgezeichnete Energie-Erlebnis-Ausstellung, in der anschaulich und interaktiv die Energiewende vom fossilen Zeitalter zu den regenerativen Energieträgern erzählt wird. Außerdem wird hier nicht nur die Energiewende vermittelt, sondern mittels regenerativer Technologien wie Photovoltaik und Grubenwassergeothermie selbst gelebt. Ein authentischer Ort der Steinkohle mit einer spannenden Untertagestrecke und interaktiven Elementen zur regenerativen Energiegewinnung. Die kompakte Location in Alsdorf mit dem historischen Grubengebäudeensemble ist einmalig in der Region und darüber hinaus mittlerweile ein attraktiver Standort für Events und Musikveranstaltungen im Fördermaschinenhaus.“


(Text: EnergieAgentur.NRW)

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