Die Dürener Zeitung berichtete am 20. Juli 2017 unter dem Titel "Sonnenenergie statt Autos auf der alten A4 - Gemeinde Niederzier und RWE nehmen "Solarautobahn" mit 2820 Modulen in Betrieb, die Energie für 210 Haushalte liefert" (von Jörg Abels):

"Ellen. Das aufziehende Gewitter schränkte die Leistung zwar gleich zur Eröffnung ein wenig ein. Das aber tat der Stimmung unter den Beteiligten keinen Abbruch. Am Mittwoch haben die Gemeinde Niederzier und RWE auf einem 620 Meter langen Teilstück der alten A 4 im Abraumgebiet des Braunkohletagebaus Hambach eine "Solarautobahn" offiziell in Betrieb genommen. Dort, wo noch vor wenigen Jahren täglich rund 63 000 Fahrzeuge vorbeirauschten, fließt in den kommenden zwei Jahrzehnten nur noch eines: umweltfreundlicher Strom – wenige hundert Meter entfernt vom Kohlebunker des Tagebaus. "Besser kann man das Miteinander von konventionellen und erneuerbaren Energien nicht vor Augen haben", betonte RWE-Power-Vorstand Erwin Winkel.Auch Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser (SPD) unterstrich das notwendige Miteinander von Braunkohlestrom einerseits und der regenerativen Stromerzeugung andererseits, um die Energieversorgung sicherstellen zu können. Die Gemeinde hat mit der RWE-Tochter Innogy für das Projekt eine Gesellschaft gegründet und die Investitionskosten von 710 000 Euro als Darlehen zur Verfügung gestellt. Die Partner erwarten aus der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und einer Prämie aus der Direktvermarktung eine jährliche Rendite von drei Prozent.

Allerdings konnte sich Heuser bei der Inbetriebnahme auch einen kleinen Seitenhieb in Richtung Bezirksregierung nicht verkneifen, denn ursprünglich wollten Gemeinde und RWE eine doppelt so große Anlage errichten. Allerdings scheiterte das Vorhaben an unterschiedlichen Interpretationen des Planungsrechts. Weil die Gemeinde daraufhin einen neuen Bebauungsplan erstellen musste, gelang es nicht mehr, das Projekt in 2016 zu realisieren. Seit 2017 aber müssen Großanlagen europaweit ausgeschrieben werden. Dieses Risiko wollten Gemeinde und RWE nicht eingehen. So entschieden sich die Partner zum Bau einer kleineren 749 kW-Anlage, die jährlich rund 70 000 Kilowattstunden Strom erzeugt, genug für 210 Haushalte. Die Anlage wurde in rund 4000 Arbeitsstunden installiert. Für die 2820 Module in 47 Reihen wurden 282 Betonplatten, 5800 Stahlprofile und rund zehn Kilometer Kabel verbaut. Zum Schutz vor Sturm wurden die Module mit über 1100 ehemaligen Bahnschwellen beschwert, zum Schutz vor Vandalismus ist die Anlage von 1200 Metern Zaun umgeben, der 20 Zentimeter Bodenfreiheit für Kleinsäuger lässt; auch das eine Auflage der Bezirksregierung. Haselmäuse und Kreuzkröten, die die A 4 früher nie passieren konnten, haben jetzt die Möglichkeit dazu."

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(Fotos: innogy und RWE)