Die 54 Grundstücke für Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser sind vergeben. Rund die Hälfte der Grundstücke ist bereits bebaut. Auch wenn man es den meisten Häusern nicht auf den ersten Blick ansieht, sind sie doch ressourcenschonender gebaut als konventionelle Häuser. Über die  geltenden Umweltstandards hinaus, wenig oder nahezu keine Heizenergie mehr zu verbrauchen (Passivhäuser, Plus-Energie-Häuser, usw.), ist ein Faktor X–Haus nicht auf äußerste Energieeffizienz durch aufwändige Dämmung oder Technik getrimmt, sondern aus Baustoffen gebaut, die in ihrer Herstellung möglichst wenige Ressourcen und Energie verbraucht haben. Ein Faktor X–Haus hat somit das Potential, über den gesamten Lebenszyklus, von der Herstellung bis zum Abriss, deutlich klimaschonender zu sein als hochgedämmte und volltechnisierte Gebäude. Und zudem schont ein Faktor X–Haus die Rohstoffreserven (Ressourcen).

Flaschenhals Sand

Die Tatsache, dass insbesondere die abiotischen, also die nicht nachwachsenden Ressourcen der Erde begrenzt sind, entbehrt jeder Diskussion. Dass diese Endlichkeit auch gerade den Bereich des Bauens betrifft, erschließt sich jedoch nicht auf den ersten Blick. Sand, elementares Element für Beton, Glas, Estriche und Putze, ist ein in unserer Gegend scheinbar endlos verfügbarer Baustoff. Scheinbar, denn auch hier gehen auf Grund vieler Abbauhemmnisse die Vorräte langsam zu Ende und der Abbau hat mit der aktuellen Baukonjunktur sein Maximum erreicht. Weltweit, insbesondere in Asien, Afrika und Lateinamerika, tobt schon seit Jahren ein erbitterter Kampf um die Sandvorräte an Stränden und im Meer. Ein Beispiel von vielen, dass die klassische Bautätigkeit bald an ihre Grenzen stoßen wird bzw. diese bereits überschritten hat.

Ressourcen schonen und multifuntionale Raumaufteilung

Die Stadt und ihre Partner haben deshalb mit dem Faktor X–Ansatz einen ersten Weg beschritten, das Bauen nachhaltiger zu gestalten. Die Optimierungspotentiale dafür sind enorm, da der Bausektor der Wirtschaftsbereich mit dem höchsten Verbrauch an Rohstoffen und Energie sowie dem höchsten Anfall an Abfällen, insbesondere mineralischen, ist.
Stadt, Bauherren, Architekten und Planer haben dazu gemeinsam die Wohnhäuser, die in den Neuen Höfen Dürwiß gebaut wurden bzw. gebaut werden sollen, so gestaltet bzw. die Planungen entsprechend angepasst, dass die Einhaltung der Ressourceneinsparziele von mindestens Faktor 2, also 50% weniger Verbrauch als klassische Vergleichsgebäude, erreicht werden konnte. Hinsichtlich einer multifunktionalen Raumaufteilung und Veränderbarkeit der Raumzuschnitte wurden die Bauherren beraten, um ein lebenslanges, generationenangepasstes Wohnen zu ermöglichen und unnötige und aufwändige Umbaumaßnahmen zu vermeiden.  

Viele Wege führen zum Ziel

Der klassischen Bauweise eines Wohnhauses mit Kalksandstein-Außenwand, Klinkerfassade und Stahlbetondecken stehen in den Neuen Höfen Dürwiß nun unterschiedliche, ressourcenschonendere Bauweisen gegenüber: massiv monolithische Häuser aus Bimsleichtbeton- oder Porotonsteinen mit Holzbalken- oder Ziegeleinhängedecken, holzbasierte Fertighäuser und innovative Holzhäuser aus Einzelfertigung. Insbesondere die aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gebauten Häuser sind gegenüber den monolithisch massiv gebauten Häusern deutlich ressourcenschonender. Mit dieser breiten Palette an Bautypen und unterschiedlichen ressourcenschonenderen Baustoffen konnte gezeigt werden, dass Faktor X–Bauen weiterhin traditionell gestaltet werden kann und zudem nicht zu wesentlich höheren Kosten führt. Ferner konnten durch die festgeschriebene Zwei- bzw. Dreigeschossigkeit der Wohnhäuser sowie eine minimale Erschließung der spezifische Flächenverbrauch reduziert werden. Beim Bau der Straßen und Kanäle wurden zudem ressourcenschonende Materialien eingesetzt.

Die nächsten Schritte

An den Erfolg der Neuen Höfe Dürwiß möchte die Stadt nun in diesem Jahr wieder gemeinsam mit ihren Partnern anknüpfen und ein zweites Baugebiet nach den Faktor X–Kriterien entwickeln und umsetzen. Das Faktor X–Konzept wird derzeit von den Projektpartnern überarbeitet und um weitere Kriterien ergänzt. Insbesondere eine ressourcenschonende und naturnahe Niederschlagsentwässerung soll erarbeitet und umgesetzt werden. Zudem sollen für besonders ressourcen- und energieintensive Baustoffe wie Stahlbeton Alternativen wie z.B. Recycling-Beton gefunden und in der Region verfügbar gemacht werden. Entsprechende Aktivitäten dazu finden derzeit statt.  

Weitere Informationen

(Bilder: Stadt Eschweiler)