teaser-bildEschweiler: Erstes Hoch­bau­pro­jekt mit Recy­cling-Beton in Nord­rhein-West­falenFoto: Zukunftsagentur Rheinisches Revier

21.02.2019

Erstes Hochbauprojekt mit Recyclingbeton in NRW im Faktor X-Baugebiet „Neue Höfe Dürwiß“ in Eschweiler

Das Baugebiet „Neue Höfe Dürwiß“ in Eschweiler ist eines der ersten Bauprojekte, das nach dem Faktor X–Prinzip für Ressourceneffizienz im Bausektor bisher umgesetzt wurden.

Lebenszyklus eines Gebäudes im Blick

Mit diesem Ansatz der Reduzierung des Verbrauchs an natürlichen Ressourcen und Primärenergie sowie der Vermeidung von CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Baugebietes im Vergleich zur konventionellen Bauweise konnten bisher rund 40.000 Tonnen abiotische Ressourcen, 12.000 Tonnen CO2 sowie 70.000 Megawattstunden Primärenergie (Bilanz Neue Höfe Dürwiß, Stand: 22. November 2018) vermieden werden. Erreicht werden konnte dies durch die Verwendung alternativer Baustoffe wie Holz und anderer umweltfreundlicher Materialien als Ersatz für Primärbeton, Kalksandstein und Klinker, die allesamt ressourcen- und energieintensiv produziert werden. Zudem konnte durch eine bedarfsgerechte, flächenschonende und variable Wohnraumgestaltung, die es den Eigentümern und Bewohnern erlaubt, ihren Wohnraum der jeweiligen Lebenssituation ohne enormen Aufwand anzupassen, die Wertigkeit der Gebäude und damit des gesamten Wohngebietes deutlich gesteigert werden.

Mit diesem Projekt konnte die Stadt Eschweiler gemeinsam mit ihren Partnern, der Entwicklungsgesellschaft indeland GmbH, der Faktor X-Agentur sowie der RWE Power AG zeigen, dass Klimaschutz und Ressourcenschonung im Bauwesen deutlich erfolgreicher gestaltet werden kann als die bisherige, durch baurechtliche Vorgaben der Energieeinsparverordnung (ENEV) erzielte Fokussierung auf den reinen Energieverbrauch während der Nutzungsphase.

Projekt der Zukunftsagentur

Dem Faktor X-Prinzip des verbesserten Klima- und Ressourcenschutzes im Bauwesen folgend hat sich die Zukunftsagentur Rheinisches Revier mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen im Forschungsvorhaben "Kreislaufwirtschaft Bauen" mit der Frage beschäftigt, wie das Recycling von mineralischen Bauabfällen, von denen in Deutschland jährlich rund 80 Millionen Tonnen (ca. drei bis vier Millionen Tonnen im Bereich der Zukunftsagentur) anfallen, so gestaltet werden kann, dass ein Großteil dieser Abfälle als hochwertige Baustoffe wieder in den Produktions- bzw. Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden können. Bisher werden rund 80 Prozent dieser Abfälle im Erd- und Straßenbau verwendet. Der Bausektor ist der Wirtschaftsbereich mit dem höchsten Verbrauch an Rohstoffen und Primärenergie sowie dem höchsten Anteil an Abfällen in Deutschland. Jedes Jahr werden schätzungsweise alleine im Hochbau rund 220 Millionen Tonnen mineralischer Rohstoffe verbraucht und in den urbanen Räumen als Rohstofflager gespeichert.

Hochwertiges Baustoff-Recycling als Alternative

Dem weiter ansteigenden Verbrauch an mineralischen Baustoffen steht die zunehmende Verknappung beziehungsweise Verfügbarkeit der zur Herstellung benötigten Rohstoffe gegenüber. Sand und Kies, Hauptbestandteile von Beton, werden auch in Deutschland, durch fehlende Abbaustätten und notwendige Abbaugenehmigungen, zukünftig immer schwieriger zu gewinnen sein. Das hochwertige Recycling von mineralischen Bauabfällen und die Herstellung von Baustoffen und Bauteilen aus Abbruchmaterialien werden daher immer wichtiger, um auch in Zukunft Bauen noch zu ermöglichen und bezahlbar zu gestalten.

Modellregion Rheinisches Revier

Mit dem Forschungsvorhaben „Kreislaufwirtschaft Bauen“ wollten die Projektpartner einen Lösungsweg für das Rheinische Revier und darüber hinaus für ganz Deutschland aufzeigen. Neben der Konzeptionierung eines Recyclingzentrums für mineralische Bauabfälle mit dem Fokus auf der Herstellung hochwertiger Bauprodukte sollte als erstes Modellprojekt in Nordrhein-Westfalen eine Produktlinie für Recyclingbeton geschaffen werden. Als erstes Hochbauprojekt in Nordrhein-Wetfalen werden in den „Neuen Höfen Dürwiß“ sieben Wohnhäuser errichtet, bei denen für die Herstellung der Bodenplatte, der Geschossdecken und Treppen Recyclingbeton aus regionaler Produktion verwendet wurde. Bauherr, Architekt, Statiker und Betonhersteller haben dabei Hand in Hand gearbeitet und das Projekt zum Erfolg geführt. Weitere Bauprojekte mit Recyclingbeton in den Neuen Höfen Dürwiß und darüber hinaus befinden sich aktuell in der Planung.

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Ihr Ansprechpartner:
Christian Wirtz

Telefon: +49 2461 690-181
christian.wirtz@rheinisches-revier.de

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