. .
09.08.2017


Faktor X: Ressourcenschonendes Bauen in Eschweiler

Eschweiler: Faktor X - Baugebiet "Neue Höfe Dürwiß" - Ressourceneffizientes Bauen in der Umsetzung

Der Spatenstich für die Erschließung des Faktor X - Baugebietes "Neue Höfe Dürwiß" im Eschweiler Stadtteil Dürwiß erfolgte bereits im letzten Jahr und war der Startschuss für die Umsetzung der ambitionierten Ziele der Stadt Eschweiler, ein Baugebiet um den "Faktor X" ressourceneffizienter und damit klimaschonender zu gestalten als konventionelle Gebiete. Gemeinsam mit den Partnern RWE Power, Faktor X Agentur, indeland Entwicklungsgesellschaft und Innovationsregion Rheinisches Revier wurde das Konzept erarbeitet. Das Vorhaben wurde im Rahmen des IRR-Ideenwettbewerbs als Modellprojekt ausgewählt.

Die 54 Grundstücke für Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser sind vergeben. Rund die Hälfte der Grundstücke ist bereits bebaut. Auch wenn man es den meisten Häusern nicht auf den ersten Blick ansieht, sind sie doch ressourcenschonender gebaut als konventionelle Häuser. Über die  geltenden Umweltstandards hinaus, wenig oder nahezu keine Heizenergie mehr zu verbrauchen (Passivhäuser, Plus-Energie-Häuser, usw.), ist ein Faktor X–Haus nicht auf äußerste Energieeffizienz durch aufwändige Dämmung oder Technik getrimmt, sondern aus Baustoffen gebaut, die in ihrer Herstellung möglichst wenige Ressourcen und Energie verbraucht haben. Ein Faktor X–Haus hat somit das Potential, über den gesamten Lebenszyklus, von der Herstellung bis zum Abriss, deutlich klimaschonender zu sein als hochgedämmte und volltechnisierte Gebäude. Und zudem schont ein Faktor X–Haus die Rohstoffreserven (Ressourcen).

Flaschenhals Sand

Die Tatsache, dass insbesondere die abiotischen, also die nicht nachwachsenden Ressourcen der Erde begrenzt sind, entbehrt jeder Diskussion. Dass diese Endlichkeit auch gerade den Bereich des Bauens betrifft, erschließt sich jedoch nicht auf den ersten Blick. Sand, elementares Element für Beton, Glas, Estriche und Putze, ist ein in unserer Gegend scheinbar endlos verfügbarer Baustoff. Scheinbar, denn auch hier gehen auf Grund vieler Abbauhemmnisse die Vorräte langsam zu Ende und der Abbau hat mit der aktuellen Baukonjunktur sein Maximum erreicht. Weltweit, insbesondere in Asien, Afrika und Lateinamerika, tobt schon seit Jahren ein erbitterter Kampf um die Sandvorräte an Stränden und im Meer. Ein Beispiel von vielen, dass die klassische Bautätigkeit bald an ihre Grenzen stoßen wird bzw. diese bereits überschritten hat.

Ressourcen schonen und multifuntionale Raumaufteilung

Die Stadt und ihre Partner haben deshalb mit dem Faktor X–Ansatz einen ersten Weg beschritten, das Bauen nachhaltiger zu gestalten. Die Optimierungspotentiale dafür sind enorm, da der Bausektor der Wirtschaftsbereich mit dem höchsten Verbrauch an Rohstoffen und Energie sowie dem höchsten Anfall an Abfällen, insbesondere mineralischen, ist.
Stadt, Bauherren, Architekten und Planer haben dazu gemeinsam die Wohnhäuser, die in den Neuen Höfen Dürwiß gebaut wurden bzw. gebaut werden sollen, so gestaltet bzw. die Planungen entsprechend angepasst, dass die Einhaltung der Ressourceneinsparziele von mindestens Faktor 2, also 50% weniger Verbrauch als klassische Vergleichsgebäude, erreicht werden konnte. Hinsichtlich einer multifunktionalen Raumaufteilung und Veränderbarkeit der Raumzuschnitte wurden die Bauherren beraten, um ein lebenslanges, generationenangepasstes Wohnen zu ermöglichen und unnötige und aufwändige Umbaumaßnahmen zu vermeiden.  

Viele Wege führen zum Ziel

Der klassischen Bauweise eines Wohnhauses mit Kalksandstein-Außenwand, Klinkerfassade und Stahlbetondecken stehen in den Neuen Höfen Dürwiß nun unterschiedliche, ressourcenschonendere Bauweisen gegenüber: massiv monolithische Häuser aus Bimsleichtbeton- oder Porotonsteinen mit Holzbalken- oder Ziegeleinhängedecken, holzbasierte Fertighäuser und innovative Holzhäuser aus Einzelfertigung. Insbesondere die aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gebauten Häuser sind gegenüber den monolithisch massiv gebauten Häusern deutlich ressourcenschonender. Mit dieser breiten Palette an Bautypen und unterschiedlichen ressourcenschonenderen Baustoffen konnte gezeigt werden, dass Faktor X–Bauen weiterhin traditionell gestaltet werden kann und zudem nicht zu wesentlich höheren Kosten führt. Ferner konnten durch die festgeschriebene Zwei- bzw. Dreigeschossigkeit der Wohnhäuser sowie eine minimale Erschließung der spezifische Flächenverbrauch reduziert werden. Beim Bau der Straßen und Kanäle wurden zudem ressourcenschonende Materialien eingesetzt.

Die nächsten Schritte

An den Erfolg der Neuen Höfe Dürwiß möchte die Stadt nun in diesem Jahr wieder gemeinsam mit ihren Partnern anknüpfen und ein zweites Baugebiet nach den Faktor X–Kriterien entwickeln und umsetzen. Das Faktor X–Konzept wird derzeit von den Projektpartnern überarbeitet und um weitere Kriterien ergänzt. Insbesondere eine ressourcenschonende und naturnahe Niederschlagsentwässerung soll erarbeitet und umgesetzt werden. Zudem sollen für besonders ressourcen- und energieintensive Baustoffe wie Stahlbeton Alternativen wie z.B. Recycling-Beton gefunden und in der Region verfügbar gemacht werden. Entsprechende Aktivitäten dazu finden derzeit statt.  

Weitere Informationen

(Bilder: Stadt Eschweiler)

Forschungszentrum Jülich lädt zum Kolloquium "Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung" ein

Die Veranstaltung findet am 4. Dezember, ab 14:00 Uhr, im Hörsaal, Gebäude 04.7, des Forschungszentrums Jülich statt. Mehr Informationen »

Zweite Perspektivwerkstatt zum Industriedrehkreuz Weisweiler-Inden-Stolberg

Voraussichtlich 2030 wird der Braunkohletagebau Inden "ausgekohlt" sein. Damit endet auch die Braunkohlenverstromung im Kraftwerk Weisweiler. Um den drohenden Verlust der damit verbundenen Industriearbeitsplätze frühzeitig aufzufangen, entwickeln die Kommunen und die regionale Wirtschaft im Rahmen der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) Konzepte für die künftige Flächennutzung. In diesem Sinne wurde die landeseigene Entwicklungsgesellschaft NRW.URBAN mit der Durchführung von Perspektivwerkstätten und der anschlie-ßenden Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Mehr Informationen »
 
Hintergrundbild wird geladen ...
Klicken Sie um das ganze Bild zu sehen
In Jülich betreibt das DLR das Solarthermische Versuchskraftwerk Solarturm Jülich. Es ist zugleich Vorbild und Versuchskraftwerk für zukünftige kommerzielle Kraftwerke in Südeuropa und Nordafrika. Diese spielen auch bei der DESERTEC Initiative eine tragende Rolle. Die in Jülich erprobte Technologie und die gewonnenen Erkenntnisse werden in den sonnenreichen Regionen der Erde zum Einsatz kommen. Denn dort haben die solarthermischen Kraftwerke ihr größtes Potenzial. Die Aluminium Norf GmbH wurde im April 1965 als gemeinschaftliches Unternehmen der ehemaligen Alcan, heute: Novelis, und der damaligen VAW, heute: Hydro Aluminium Rolled Products, gegründet. Dadurch entstand in Norf bei Neuss das damals größte Aluminiumwalz- und -Schmelzwerk Europas. Wissenschaftler des in Jülich beheimateten DLR Instituts für Solarforschung arbeiten im größten europäischen Testzentrum für konzentrierende Solartechnologie an der Weiterentwicklung von Komponenten und Systemen für Solarthermische Kraftwerke. Zukunftsweisende Mobilitätskonzepte- und produkte, z. B. das Elektroauto 'StreetScooter', werden in der IRR entwickelt. Ein Solarturmkraftwerk mit einer weltweit einzigartigen Technologie ist in Jülich in Betrieb. 2.500 einzelne Spiegel lenken die Sonnenstrahlung auf die Spitze eines 50 Meter hohen Turms, wo die Sonnenenergie zur Stromproduktion genutzt wird. Der Indemann ist durch seine Größe und seinen Standort, hoch auf der Goltsteinkuppe, das weithin sichtbare Symbol für die Perspektiven, die das indeland seinen Bewohnern bietet. Seine moderne Architektur steht für die technische Zukunft der Region, sein sich ständig veränderndes Leuchten im Dunkeln für den Strukturwandel im Braunkohlerevier; seine Stabilität steht für die über 10.000 Jahre währende Geschichte des indelandes. IRR: Eine von Berg- und Tagebau geprägte Energie- und Industrieregion erfüllt eine entscheidende Funktion im rheinischen Wirtschaftsgefüge. Nirgendwo sonst wird in derart geballter Form Energie erzeugt und industriell auch wieder verbraucht. Schaufelradbagger sind Tagebaugeräte zum Abbau von Rohstoffen und für den Einsatz auf Großbaustellen. Besonders große Schaufelradbagger finden sich im Braunkohletagebau Hambach. Nördlich von Eschweiler bei Aachen befindet sich der künstlich angelegte Blausteinsee. Als Naherholungs- und Freizeitzentrum bietet der Blausteinsee vielseitige Möglichkeiten: Segeln, Surfen, Tauchen, Wandern, Skaten, Radfahren und vieles mehr. Als erstes deutsches Denkmal wurde der Aachener Dom 1978 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen - weltweit gehörte er 1978 zu den ersten Zwölf! Die Aussichtsplattform ist an der Südwestflanke des Haldenkopfes im Carl-Alexander-Park in Baesweiler angelegt. Gestaltet wurde dieser Aussichtspunkt als ruhiger Ort zum Verweilen, Ausruhen und Aussicht genießen mitten im Naturschutzgebiet.